Der Otto-Weidt-Platz ist einer der zentralen Orte der Europacity – und gleichzeitig ein Symbol für viele ungelöste Probleme im Quartier: chaotisches Parken, fehlender Schatten, Müll, mangelhafte Infrastruktur. Um diese Missstände sichtbar zu machen, fand am 14.11.2025 eine Begehung mit MdA Silke Gebel und Bezirksstadtrat Christoph Schriner statt.
Beide kamen standesgemäß mit einem Lastenfahrrad an.
Schatten am Brunnen
Wir sprachen im Vorbeigehen zuerst über den Brunnen und darüber, dass er im Sommer von den Bewohnern der Umgebung sehr gut angenommen wurde. Was allerdings – wie schon hier erwähnt – fehlt, ist Schatten am Brunnen. Die Steinbänke sind im Sommer den ganzen Tag der prallen Sonne ausgesetzt.
Wir sprachen auch über Kosten und darüber, dass viele Anwohner im Rahmen der Stadtbaumkampagne Bäume gespendet hätten. Das wäre sicherlich eine Möglichkeit, zusätzliches Grün zu finanzieren. Herr Schriner gab zu bedenken, dass es hier möglicherweise zu Problemen mit den Rechten des Architekten kommen könnte. Das bleibt zu klären.
Illegales Parken als Sicherheitsrisiko
Eines der größten Ärgernisse ist nach wie vor die Situation der parkenden Gäste vor dem Restaurant Casalot. Auf Nachfrage, was denn konkret das Problem sei, berichtete ich von einem Notarztfahrzeug, das nicht zum Einsatzort am Wasser gelangen konnte, und davon, dass auch im Falle eines Feuers die Einsatzkräfte nicht oder nur verzögert zu den Häusern am Platz gelangen könnten. Das kann Leben kosten.
Wir sprachen dann über verschiedene Möglichkeiten.
Poller
Da die bisherigen Poller immer wieder von Lieferfahrzeugen entfernt wurden, hat man hier wohl resigniert. An dem noch stehenden Poller passen gut allerlei kleinere und größere Fahrzeuge vorbei. Es gäbe die Möglichkeit, einen Poller mit einer Kette zu sichern. Allerdings müsste dann auch jemand dafür verantwortlich sein, den Poller immer wieder an seinen Platz zu bringen.
Auf meine Frage, warum man nicht versenkbare Poller installieren könne, erklärte Herr Schriner, dass es in ganz Berlin kein Konzept bzw. keine technische Umsetzung gebe, die es Einsatzkräften berlinweit erlaube, im Notfall Zugriff auf solche Poller zu erhalten und sie zu versenken. Deshalb gibt es solche Poller auch nur an ganz wenigen Orten in Berlin – und nur dort, wo rund um die Uhr ein Pförtner anwesend ist.
Wir sprachen auch darüber, dass im Gebäude der Autobahn GmbH ein Pförtner 24 Stunden anwesend sei.
Reduzierung der Breite
Herr Schriner brachte eine weitere Idee ins Spiel: Wenn man die Breite des Gehwegs so weit reduzieren könnte, dass nur noch ein Fahrzeug durchpasst, könnte dort auch niemand mehr parken. Das ließe sich beispielsweise durch das Aufstellen von Bänken oder durch eine Verbreiterung der Schankflächen der Gewerbetreibenden am Platz erreichen.
Zusätzliche Schilder
Wir fragten, warum man nicht zusätzliche Halteverbotsschilder aufhängen könnte. Die Antwort von Herrn Schriner war ernüchternd. Die bestehenden Schilder (Fußgängerzone) an der Einfahrt würden ja schon das Halten / Parkten verbieten. Ein zusätzliches Schild verbietet die StVO, denn man ist angehalten, die Anzahl der Schilder zu gering wie möglich zu halten. Wenn ein Schild ein anderes impliziert, dürfe das Zweite nicht aufgehängt werden.
Gespräch mit dem Casalot suchen
Herr Schriner versprach, in einem offiziellen Schreiben den Betreiber des Casalot über die Missstände aufzuklären und eine Verbesserung der Situation zu erwirken.
Müllsituation
Die Freitreppe zum Wasser wurde im Sommer sehr gern genutzt, allerdings blieben dort viele Pizzakartons liegen. Warum? Weil die Öffnungen der aufgehängten Abfalleimer viel zu klein sind. Einige Anwohner haben bereits Müllsäcke aufgehängt. Wir fragten uns, warum nicht solche grauen Mülleimer mit größerer Öffnung aufgestellt werden können, wie man sie aus anderen Parks in Berlin kennt.
Die Antwort kam prompt – und direkt aus der deutschen Bürokratiehölle. Der Otto-Weidt-Platz ist kein Park oder keine Grünfläche, sondern ein sogenanntes „Straßenbegleitgrün“. Sprich: ein Stück Rasen neben einer Straße, nur eben etwas größer. Für Grünflächen ist das Grünflächenamt zuständig, dort können andere Abfalleimer aufgestellt werden. Das Straßenbegleitgrün gehört jedoch zur BSR – und damit auch die Abfalleimer. Trotzdem soll geprüft werden, ob sich hier etwas verbessern lässt.
Wochenmarkt
Wir haben auf dem Otto-Weidt-Platz wirklich viel Platz – und wäre es nicht schön, einen Wochen- und vielleicht auch einen Weihnachtsmarkt zu haben? Das würde Anwohner aus den umliegenden Gebieten anziehen, die bestehende Gastronomie stärken und gegebenenfalls auch neue Läden in die noch leeren Flächen bringen.
Ich hatte dazu bereits bei der Senatsverwaltung nachgefragt. Die Kurzfassung der Antwort war: nicht möglich, da sonst das Pflaster durch die Marktfahrzeuge beschädigt würde. Das klingt wie Hohn, wenn man bedenkt, wie viele Fahrzeuge dort unberechtigterweise parken und fahren.
Erfreulich ist, dass Frau Gebel direkt nach unserem Termin zwei Marktbetreiber:innen kontaktiert hat. Eine zeigte sich sehr interessiert und wollte die Gegend besichtigen. Möglich wäre auch die Fläche hinter dem Hamburger Bahnhof. Auch für einen Weihnachtsmarkt zeigte sie sich offen.
Spielplatz
Dann sprachen wir über einen öffentlichen Spielplatz. Die Spielplätze in den Hinterhöfen sind natürlich toll, führen aber auch zur Vereinzelung. Auf gut funktionierenden Plätzen in Berlin gibt es oft einen Spielplatz in der Mitte, umgeben von Cafés und Gastronomie. Die beiden konnten mir lediglich bestätigen, dass es links und rechts der Heidestraße in Höhe der Kieler Brücke weitere Parks bzw. Grünflächen geben soll. Ob dort auch ein Spielplatz geplant ist – wie von der Senatsverwaltung mitgeteilt – konnte man mir nicht sagen.
Entlang der Minna-Cauer-Straße soll zudem der Döberitzer Grünzug mit Sportmöglichkeiten entstehen.
Verbindung zum Lehrter Kiez
Die schon seit Langem geplante Brücke über die Bahngleise, die die Europacity mit der Lehrter Straße verbinden würde, soll nun tatsächlich gebaut werden.
Dazu gibt es auch eine schriftliche Anfrage von Frau Gebel an den Senat sowie eine Visualisierung aus dem Tagesspiegel.
Weiterführende Schulen
Neben der Grundschule am Nordhafen, die streng genommen nicht wirklich in der Europacity liegt, gibt es aktuell keine weiterführenden Schulen. Visualisiert man alle Schulen auf einer Karte, erkennt man schnell, dass wir hier in einem Umkreis von mehreren Kilometern in einem regelrechten „Loch“ ohne Schulen wohnen. Das wurde bei der Planung der Europacity nicht bedacht – oder man ruhte sich darauf aus, dass es kein Anrecht auf einen kurzen Schulweg zu Sekundarschulen und Gymnasien gibt.
Zu meiner Überraschung soll auf dem Grundstück des ehemaligen Landeslabors an der Invalidenstraße jedoch unter anderem eine Integrierte Sekundarschule (ISS) entstehen.
Kultur: Ein Kiez ohne Abendleben
Außer der Bata Bar, die sich auf dem Grundstück des entstehenden Bechstein-Campus befindet (und die erfreulicherweise nicht nur bestehen bleibt, sondern sich sogar vergrößert), gibt es hier kaum etwas. Keine Theater, keine weiteren Bars oder Kneipen, keine Live-Musik.
Ich gab zu bedenken, dass Betreiber möglicherweise durch die hohen Gewerbemieten abgeschreckt werden. Herr Schriner erklärte daraufhin, dass die Miete nur einen kleinen Teil der Kosten ausmache und der überwiegende Anteil auf Personalkosten entfalle. Es sei letztlich eine Frage der Zeit, da viele noch abwarteten, wie sich der Kiez entwickle.
Fehlende Gesundheitsversorgung
Auf meine Frage, welche Themen den Anwohnern besonders wichtig seien, hörte ich oft, dass es in der Gegend nicht einmal eine medizinische Grundversorgung wie einen Allgemeinmediziner oder eine Apotheke gibt.
Grundsätzlich kann man natürlich niemanden dazu zwingen, und vielleicht gibt es (noch) nicht genügend Patienten bzw. Kund:innen. Bei der Apothekendichte in anderen Gegenden fragt man sich dennoch: Warum nicht hier?
Da Frau Gebel auch Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Pflege ist, wollte sie das Thema mitnehmen und anregen, ein Ärztezentrum in einer der vielen leerstehenden Büroflächen einzurichten.
Verkehr
Wenn der Bus mal wieder nicht kommt
Die aktuelle Taktung (alle 20 Minuten) sowie die Zuverlässigkeit des einzigen Verkehrsmittels (Bus 147) lassen stark zu wünschen übrig. Nach der Eröffnung fuhr der Bus zumindest alle zehn Minuten.
Aktuell wird im Rahmen der Ausschreibung mit der BVG verhandelt. Weitergehende Zusagen gab es jedoch nicht.
Radwege
Wer schon einmal mit dem Fahrrad die Kreuzung an der Sellerstraße überquert hat, erinnert sich vielleicht an den Nervenkitzel. Der Radweg verläuft hier zwischen den Fahrspuren, was dazu führt, dass Autos ständig den Radweg kreuzen. Der Stärkere gewinnt hier leider.
Herr Schriner erläuterte, dass die damalige Planung der Heidestraße aus heutiger Sicht falsch gewesen sei. Man hätte sie einspurig mit einem breiten und gesicherten Radweg bauen müssen.
Allerdings soll der bestehende Radweg farblich gekennzeichnet werden (grün für Radweg, rot für Gefahrenstellen).
Blitzer
Wir sprachen auch darüber, dass der Blitzer an der Heidestraße eigentlich an der falschen Stelle steht. Direkt am Platz wäre er deutlich sinnvoller, da viele Anwohner auch abseits der Ampeln die Straße queren. Frau Gebel hat dazu im Anschluss eine Kleine Anfrage an den Senat gestellt.
Sicherheit am Platz
Wir machten auf zahlreiche Einbrüche – auch in Tiefgaragen – aufmerksam. Obwohl es mir bislang entgangen war, soll es am Otto-Weidt-Platz bereits seit einiger Zeit eine mobile Wache geben.
Fazit
Frau Gebel und Herr Schriner haben sich fast anderthalb Stunden Zeit genommen, um sich alles anzuschauen und sich unsere Probleme anzuhören – was ich so nicht erwartet hätte. Herr Schriner zeigte dabei ein sehr umfangreiches Fachwissen sowohl zur Rechtslage als auch zu den lokalen Gegebenheiten und Planungen und hatte auf nahezu alle Fragen eine Antwort. Auch dass Frau Gebel im Anschluss sofort aktiv geworden ist, hat mich positiv überrascht.
Es zeigt sich: Wenn man etwas verändern will, muss man selbst aktiv werden. Es gibt Menschen, die zuhören – und auch helfen.




