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by Jan Wedel

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Hinter den Kulissen der Europacity: Was plant die Politik für unseren Kiez?

Anfang März dieses Jahres bekam ich eine Mail mit dem Angebot, sich mit Ephraim Gothe (ebenfalls Bezirksstadtrat in Mitte, zuständig für Stadtentwicklung) sowie Tilmann Häußler, AGH-Kandidat, beide SPD, zu treffen, um für uns wichtige Themen zu besprechen.

Das Angebot habe ich natürlich dankend angenommen, denn nur wenn Politik, Verwaltung und die Anwohner an einem Strang ziehen, können wir etwas bewegen.

Anfang April war es dann so weit.

Neben den „üblichen Verdächtigen“ wie der Parksituation vor dem Casalot, dem Müll an der Freitreppe sowie Verkehr, Kultur und Grünflächen, brachte Herr Gothe viel Fachwissen und einige Karten zur Stadtentwicklung im Allgemeinen und zur Entwicklung der Europacity im Speziellen mit. In den ersten 10–20 Min. erzählte Herr Gothe einiges Interessantes über die Entstehung der Europacity.

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Ein Blick in die Vergangenheit

Planung und Flächennutzung

Zu Beginn der Planung des Areals wurde überlegt, ob man ggf. Hochhäuser im Stile von Frankfurt am Main bauen sollte. Das wurde aber verworfen, da es zu der Zeit noch Unmengen freie Wohnungen in Berlin gab. So wurden überwiegend die in Berlin üblichen 5–6 Stockwerke geplant, bis auf ein paar Ausnahmen.

Es wurde auch über einen Grundschulstandort gesprochen. Dies wurde dann aber von der damaligen Bürgermeisterin nicht gewollt. So kam es, dass es auf dem eigentlichen Gelände der Europacity keine Schule gibt. Es wurde dann u. a. durch Herrn Gothe quasi "hintenherum" der heutige Standort der Grundschule am Nordhafen an der Boyenstraße vorgesehen.

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Als man mit den ersten Gebäuden begann, war die Nähe zum Hamburger Bahnhof sowie die Rieck-Hallen als fester Kunststandort geplant.

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Falls sich schon mal jemand gewundert hat, warum dieses Gebäude "KunstCampus" heißt: Ihr seid nicht alleine! Eigentlich waren ursprünglich im gesamten Erdgeschoss Galerien und Ähnliches geplant.

Im Erdgeschoss des KunstCampus entstehen Galerien, in denen Bilder, Installationen und Skulpturen moderner Künstler präsentiert werden. Wie bereits in der Vergangenheit, in der auf dem Grundstück in der „Halle am Wasser“ wechselnde Ausstellungen stattfanden, wird wieder ein Treffpunkt für Vernissagen entstehen, ein Ort für Austausch über Kunst. Quelle: Infoflyer der Groth-Gruppe

Das klingt doch toll! Doch nachdem das Haus dann von der Groth-Gruppe gebaut und die 120 Eigentumswohnungen dann verkauft wurden, hat sich die neugebildete Eigentümergemeinschaft dann kurzerhand dagegen entschlossen, dort Kunst anzusiedeln. Man zieht vermutlich u. a. wegen der Kunst und Kultur in die Mitte von Berlin und will dann aber doch zu Hause bitte seine Ruhe haben. Ich persönlich glaube, dass man als Anwohner der Mitte Berlins eine gewisse Toleranz gegenüber dem Trubel der Großstadt haben sollte. Sonst ist bald nichts mehr von der großartigen Stadt übrig.

Vier Brücken für die Europacity: Wie die Kieze zusammenwachsen sollten

Ein interessanter Aspekt war, dass es im Masterplan ursprünglich vier Querverbindungen von der Moabiter Lehrter Straße durch die Europacity bis hin zur Scharnhorststraße in der Oranienburger Vorstadt gab.

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Hier sieht man in Grün verschiedene Verbindungen vom Lehrter Kiez durch die Europacity bis zur anderen Seite des Kanals.

  1. ist die bereits fertiggestellte, goldene Brücke, der Golda-Meir-Steg.
  2. ist die Brücke über die Bahngleise als Teil des aktuell im Bau befindlichen Döberitzer Grünzugs.
  3. ist die geplante und finanzierte Fußgängerbrücke über die Bahngleise – der Baubeginn ist allerdings noch unklar.
  4. war mir bisher unbekannt: Es handelt sich um eine geplante Fußgängerbrücke über den Kanal, die grob den Kunstcampus und die Uferpromenade am südlichen Ende des Invalidenfriedhofes verbinden würde. Das ist auch auf dem Masterplan der Europacity so verzeichnet:

heidestrasse_masterplan_2009

Und wenn man genau hinschaut, dann gibt es auch schon ein paar Bauvorleistungen:

2026-04 Brückenkkopf ostseite
2026-04 Brückenkopf westseite

Von der Umsetzung der Brücke ist man jedoch abgekommen, als 2021 beschlossen wurde, dass die schon erwähnten Rieck-Hallen, die zum Museum am Hamburger Bahnhof gehören, erhalten bleiben sollen. Denn sie „versperren“ den Weg zwischen der Döberitzer Straße und der Brücke. Ob diese Verbindung also jemals gebaut wird, ist fraglich bis unwahrscheinlich, vielleicht aber auch unnötig.

Die aktuellen Probleme - Kleine und große

Dann widmeten wir uns den im Prinzip schon hinlänglich bekannten Problemen zu: Autos parken vor dem Casalot, auf den Grünflächen und versperren den Zugang für Feuerwehr und Krankenwagen, immer noch gibt es keinen Wochenmarkt.

Hier wurde konkret ein Antrag in die BVV eingebracht, der fordert, einen zusätzlichen klappbaren Poller mit Sechskantschließung zu installieren. Es ist allerdings fragwürdig, wie effektiv das Ganze ist, wenn es niemanden Dedizierten gibt, der diesen Poller immer wieder um 10 Uhr morgens hochklappt und verschließt, wenn die offizielle Lieferzeit beendet ist.

Aktuell ist sowohl die Polizei mit einer mobilen Wache als auch das Ordnungsamt vor Ort. Das kann aber keine dauerhafte Lösung sein. Ich möchte zumindest nicht, dass die Polizei als Pförtner agiert, statt wichtigeren Aufgaben nachzukommen.

Verkehr

Wir sprachen auch über die, naja, nicht ganz so ideale Verkehrssituation. Ich meine, wir haben eine preisgekrönte Buslinie, wer kann sich da nicht freuen?

Berlins langsamster Bus fährt im Jogging-Tempo: Wer mit der Linie 147 unterwegs ist, braucht Geduld. Der Bus zwischen Ostbahnhof und Wedding über den Hauptbahnhof war im vergangenen Jahr die langsamste ganzjährig verkehrende Linie der Hauptstadt. Quelle: Tagesspiegel / Anfrage Die Linke

Slow-Clap

Tillmann Häußler hat auch dieses Thema mitgenommen, Konkretes ist aktuell leider noch nicht zu berichten.

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Müll

Der Platz blüht im Frühling auf, die Menschen tummeln sich und genießen die Cafés, den Brunnen und die Treppe.

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Doch wohin mit dem Pizzakarton? Es gibt zwar einige neu aufgehängte orangefarbene Mülleimer der BSR, doch diese haben die typische kleine Öffnung. Hier passt mit Sicherheit kein Pizzakarton rein.

Durch engagierte Nachbarn werden jetzt privat Müllsäcke aufgehängt:

2026-04 Müllbeutel Freitreppe

Das kann doch nicht sein!? So zum Beispiel sieht es in Regensburg an der Donau aus:

2026-04 regensburg pizzakartonhalter

Warum geht das nicht? Das hatte ich schon mal mit Bezirksstadtrat Christoph Schriner besprochen, Stichwort "Straßenbegleitgrün".

Der Wochenmarkt

Ich hatte hier schon darüber berichtet, dass sowohl die SPD als auch weitere Parteien aktuell Druck auf die Verwaltung machen.

Der Antrag der SPD wurde mittlerweile am 21.05. in der BVV beschlossen. Wir schauen mal, ob das Drama noch eine positive Wendung nimmt.

Dies und das

Wir sprachen auch über mehr Schatten, öffentliche Toiletten und einen Spielplatz auf dem Otto-Weidt-Platz.

Kultur und Zivilgesellschaft

Ebenfalls erfreulich war der aufgebaute Kontakt zu dem mir bis dato unbekannten Stadtteilkoordinator Moabit Ost. Dieser hilft dabei, gemeinwohlorientierte Projekte zu fördern und zu unterstützen.

Ich habe mich zusammen mit weiteren Nachbarn mit ihm getroffen und werde dazu noch zu einem anderen Zeitpunkt berichten.

Fazit

Auch hier muss ich wieder sagen, dass ich sehr positiv überrascht war, wie viel Zeit man sich für die Belange der Bewohner hier nimmt. Ich kann nur jedem empfehlen, mal bei seinen gewählten Vertretern "anzuklopfen" und das Gespräch zu suchen. Es ändert sich nicht immer alles und auch nicht alles sofort, aber man kann Dinge durchaus verändern und vor allem verbessern.


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